Das Reiss-Profile – wertvolles Instrument für Führungskräfte

Warum Chefs davon profitieren, wenn sie die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter besser kennen.

So mancher Chef wird es schon geahnt haben, trotzdem sind die Zahlen kaum zu glauben: 86% aller Mitarbeiter identifizieren sich wenig oder gar nicht mit ihrem Arbeitsplatz – 63% machen nur Dienst nach Vorschrift. Das sagt zumindest der „Human Engagement Index 2011“ des Gallup-Instituts, der die emotionale Bindung von Mitarbeitern an ihren Arbeitsplatz misst. Mit anderen Worten: Wie sehr identifizieren sich Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen, wie engagiert sind sie, wie begeistert sind sie bei der Sache? Die Ursachen für diesen, laut Zahlen alarmierenden Zustand sind zwar vielschichtig, aber eines ist klar: Die große Mehrheit der Mitarbeiter ist nicht richtig motiviert in ihrem Job.

Null Bock – oder wie motiviert sind Ihre Mitarbeiter?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, dieses Problem anzugehen – man kann dies auf der übergreifenden Unternehmensebene versuchen, man kann es aber auch auf der persönlichen Ebene tun, indem man die Motivation des Einzelnen individuell verbessert. Dazu bietet das sogenannte Reiss-Profile grundlegende und sehr effektive Möglichkeiten.

Das Reiss-Profile – was ist das?

Der nach dem amerikanischen Professor Steven Reiss benannte Persönlichkeitstest erfasst und „misst“ in einem ganzheitlich-humanistischen Ansatz die Ausgeprägtheit unterschiedlicher Bedürfnisse von Menschen – zum Beispiel das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Wettkampf, nach Anerkennung, nach Familie. 16 Bedürfnisse, respektive „Lebensmotive“, umschreiben darin die persönliche Werte, Ziele und Motive eines Menschen. Das Reiss-Profile stellt die persönliche Ausprägung der Lebensmotive im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt fest. Die am stärksten ausgeprägten Motive sind dabei am interessantesten, denn sie bestimmen maßgeblich die Wahrnehmung eines Menschen – wie dieser die Welt durch seine Brille sieht.

Was kann man daraus ableiten? Ein Beispiel: Je stärker die Ausprägung beim Lebensmotiv „Anerkennung“, desto stärker wird dieser Mensch in der Regel nach Perfektion streben. Er wird die eigene Arbeit ständig hinterfragen und ist auf Anerkennung durch andere angewiesen. Er braucht das Lob des Vorgesetzten, um dauerhaft seine bestmögliche Leistung zu erbringen. Wenn also eine Führungskraft weiß, dass bei diesem Mitarbeiter das Motiv „Anerkennung“ besonders stark ausgeprägt ist, tut die Führungskraft gut daran, diesen Mitarbeiter mit Lob zu motivieren.

Übrigens vermissen Mittarbeiter besonders in den Punkten Anerkennung und Wertschätzung die nötige Unterstützung bei Vorgesetzten. Deshalb wird ein professionelles Führungskräftecoaching diesen Punkten besondere Beachtung schenken.

Was treibt Menschen an?

Das Reiss-Profile liefert also ein Persönlichkeitsprofil eines Menschen und damit auch Einblicke in seine besonderen Stärken. Ist das Lebensmotiv „Beziehungen aufbauen“ besonders ausgeprägt, wird sich dieser Mensch im Bereich Vertrieb/Akquise leichter tun als ein Mensch, bei dem dieses Motiv nur schwach ausgeprägt ist. Das Reiss-Profile bietet daher tatsächlich Anhaltspunkte dafür, wo ein Mitarbeiter am besten einzusetzen ist – was es zu einem wertvollen Instrument in der Führungsarbeit qualifiziert. Es lässt Rückschlüsse auf die Persönlichkeit eines Menschen zu, was es prinzipiell zu einem guten Kompass in der Persönlichkeitsarbeit macht. Denn das Reiss-Profile ermöglicht es jedem, seine Stärken und Schwächen aufzudecken und sich so selbst besser kennenzulernen. Das schafft die Basis dafür, die eigenen Werte und Ziele im Leben besser zu definieren und sein Handeln danach ausrichten zu können. Das Reiss-Profile bietet eine exzellente Möglichkeit, die „Antreiber“ im Leben eines Menschen zu identifizieren, um diese dann gezielter zu fördern.

Effektives Mittel zur Mitarbeitermotivation

Speziell im Kontext der Führungsarbeit bietet das Reiss-Profile daher ein starkes Tool, um die eingangs beschriebene Problematik anzugehen: die Motivation des Einzelnen zu steigern, einen Mitarbeiter so zu motivieren, dass er sich engagiert – und zwar nicht durch äußere Anreize wie Gehalt oder Vergünstigungen, sondern von innen heraus. Wenn ein Mitarbeiter seine Arbeit aus Begeisterung für die Sache erledigt und nicht aus einem finanziellen Motiv heraus, dann ist das für das Unternehmen ein unschätzbarer Gewinn – und übrigens auch für den Mitarbeiter selbst, denn er wird viel zufriedener und ausgeglichener sein. Seine Work-Life-Balance wird positiver ausfallen. Das Reiss-Profil kann insofern tatsächlich dazu genutzt werden, den inneren Antrieb eines Menschen zu aktivieren.

Von entscheidender Bedeutung ist nun Folgendes: Wie das Reiss-Profile deutlich zeigt, hat nicht jeder Mitarbeiter dieselben Bedürfnisse. Deshalb kann man auch nicht alle Mitarbeiter mit den gleichen Anreizen motivieren. Vielmehr kommt es darauf an, individuell vorzugehen und gezielt zu motivieren. Dazu muss man die stark ausgeprägten Lebensmotive des Mitarbeiters kennen und berücksichtigen. Ein individualisiertes Führungshandeln wird daher dazu führen, Mitarbeiter langfristig zu Engagement und Leistung zu bewegen. Anders ausgedrückt: Eine Führungskraft muss den Mitarbeiter da abholen, wo er steht – das betrifft Zielvereinbarungen, Arbeits- und Teamorganisation etc.

Es gibt kaum ein Instrument, das diesen Aspekt so deutlich aufdeckt wie das Reiss-Profile. Mit Sicherheit wird dieser Aspekt in der modernen Arbeitswelt noch immer stark unterschätzt, sonst wären die Zahlen des „Human Engagement Index“ nicht so frappierend. Auf der anderen Seite ist auch klar, dass hier ein riesiges Potenzial für angehende und langgediente Führungskräfte liegt, ein Potenzial, das gehoben werden will. Individuelles Motivieren von Mitarbeitern ist deshalb die große Führungsaufgabe der Zukunft.

Fazit: Anhand der Erkenntnisse durch die Analyse der Leitmotive im Reiss-Profile lässt sich dieses Instrument für Führungskräfte vielfältig nutzen. So können die Erkenntnisse über die Persönlichkeitsausrichtung des Mitarbeiters die Basis für eine effektivere Mitarbeitermotivation sein.